Ein Vierteljahrhundert


25. Internationales Naturfotofestival der GDT

Seit nunmehr 25 Jahren ist das westfälische Lünen zumindest am letzten Oktoberwochen­ende der Nabel der europäischen ­Naturfoto­gra­fenwelt. Zum Jubiläum gab es eine Fülle höchst unterschiedlicher, teils wunderschöner, teil kritischer und nachdenklich stimmender Vorträge und bei der Kür des »Euro­päischen Naturfotografen des Jahres« eine Überraschung.

Dabei sah es noch wenige Wochen vor Festivalbeginn nicht so aus, als könne die Veranstaltung im üblichen Rahmen stattfinden. Ein Unwetter mit sintflutartigem Regen hatte der Elektrik des Hilpert-Theaters so stark zugesetzt, dass dessen Nutzung unmöglich schien. Alternativen, wie etwa ein Zelt auf dem großen Parkplatz als Ausweich-Option wurden erwogen. Wenige Tage vor dem Start aber gab’s dann doch das Okay der Stadt. Dank unermüdlichen Einsatzes aller Beteiligten war das Theater rechtzeitig wieder bespielbar. Und das was den Besuchern dort am letzten Oktoberwochenende geboten wurde, war die Mühen sicher wert. 

Schon zum Auftakt am Freitagabend gab es eine Überraschung. Bei der Preisverleihung des Wettbewerbs »Europäischer Naturfotograf des Jahres« standen nämlich mit Erlend Haarberg und Britta Jaschinski erstmals gleich zwei Gesamtsieger auf der Bühne. Die Jury war nicht in der Lage, sich zwischen zwei großartigen, gleichwohl extrem unterschiedlichen Bildern zu entscheiden und kürte daher nach intensiver Diskussion zwei Gewinner. So teilen sich Erlend Haarberg mit seinem spektakulären Schneehasenbild und Britta Jaschinski mit ihrem erschütternden Dokument des Handels mit bedrohten Tieren in diesem Jahr den Titel. Eine nachvollziehbare Entscheidung, die dennoch sicher für Diskussionen sorgen wird.

Dieser Kontrast zwischen atemberaubender Ästhetik und kritischer, journalistischer Naturfotografie ließ sich auch im Vortragsprogramm erkennen. Da war im Vortrag der Südtiroler Fotografen Hugo und Johannes Wassermann, Georg Kantioler und Manuel Plaickner (Natur in Vollendung) sowie in der Präsentation von Orsolya und Erlend Haarberg (Laponia) das tiefe Eintauchen in weitgehend unberührte Naturlandschaften zu bestaunen. National Geographic-Redakteurin Kathy Moran, Britta Jaschinski, Jim Brandenburg aber auch der Landschaftsfotograf Kilian Schönberger stimmten hingegen kritische und nachdenkliche Töne an. Zum einen ging es dabei darum, wie Naturfotografie als Werkzeug genutzt werden kann, um Missstände wie Wilderei oder illegalen Handel mit Tierprodukten zu bekämpfen. Zum anderen wurde aber auch die Rolle der Naturfotografen hinterfragt, die mit schönen Bildern bislang vielleicht unbekannter Orte und Arten unbeabsichtigt deren Niedergang beschleunigen können. Über soziale Netzwerke verbreiten sich Bilder blitzschnell. Die Gefahr, dass wenig sensible Zeitgenossen dann in Scharen zum rücksichtslosen »Selfie-Shooting« einfallen, ist leider nicht nur theoretisch groß, wie es zum Beispiel Kilian Schönberger eindrucksvoll darstellte. 

Bei aller gebotenen Nachdenklichkeit gab es aber auch Amüsantes zum 25-jährigen. Klaus Nigge, langjähriger GDT-Präsident, der vor 25 Jahren den Umzug des GDT-Festivals vom hessischen Braunfels in seine westfälische Heimatstadt Lünen initiierte, blickte anhand zahlreicher Bilder zurück auf insgesamt mehr als ein Vierteljahrhundert GDT-Geschichte, die nicht wenige der Zuschauer im Saal mitgeprägt und miterlebt hatten. Insgesamt war dieses 25. Mal in Lünen aus meiner Sicht bestimmt eines der bislang besten GDT-Festivals. Die Mischung der Vortragsthemen, der internationalen und nationalen Fotografen, der umfangreiche Fotomarkt und die großartigen Ausstellungen lohnten den Besuch und ich freue mich schon jetzt auf das letzte Wochenende  im Oktober 2018.    

     Hans-Peter Schaub

Mehr zur Gesellschaft Deutscher Tierfotografen (GDT) und dem Festival in Lünen
www.gdtfoto.de

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