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Wildbienen

Überlebenswichtig für Natur und Landwirtschaft

Wenn allgemein vom Bienensterben die Rede ist, denken die meisten vermutlich zunächst an Honigbienen. Die aber sind gar nicht so stark gefährdet. Viel kritischer ist die Lage für Wildbienen, die ebenfalls eine hohe Bedeutung für die Landwirtschaft und Biodiversität haben. Sich mit diesen Insekten zu befassen, lohnt auch aus foto­grafischer Sicht. Die Artenvielfalt ist groß, ihr Verhaltensrepertoire breit und faszinierend zu beobachten. Claude Flueckiger beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten intensiv mit diesen Insekten. Er ordnet ihre Rolle in den Ökosystemen ein, gibt Tipps, wo man sie findet und wie man sie fotografieren kann.

Viele Wildbienenarten sind vom Aussterben bedroht, und ein besseres Verständnis und die Erhaltung ihrer Lebensräume sind entscheidend für ihr Überleben. Wildbienen sind für die biologische Vielfalt und die landwirtschaftlichen Erträge von wesentlicher Bedeutung, da sie die Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen sicherstellen, wenn andere Bestäubungsarten, wie zum Beispiel durch Honigbienen, unzureichend sind. Wildbienen sind in den unterschiedlichsten Lebensräumen anzutreffen, und eine geduldige Beobachtung ermöglicht beeindruckende Einblicke in ihre Welt und liefert auch anspruchsvolle Fotomotive.

Wild- und Honigbienen

Die Auswirkungen landwirtschaftlicher Praktiken auf Bienen werden seit Langem intensiv erforscht. Während sich die Diskussionen lange Zeit vor allem auf die Honigbiene konzentrierten, belegen wissenschaftliche Studien zunehmend die zentrale Rolle von Wildbienen als Bestäuber. Sie tragen maßgeblich zur Sicherung der Ernteerträge bei und leisten einen essenziellen Beitrag zur Biodiversität. Besonders für die Artenvielfalt sind Wildbienen oft sogar bedeutender als Honigbienen. Doch im Gegensatz zu Honigbienen sind viele Wildbienenarten stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Maßnahmen zur Förderung der Wildbienenpopulation können daher sowohl die Biodiversität als auch die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft erheblich stärken.

Schwindende Populationen

Der Rückgang der Bestäuber gibt Anlass zu großer Sorge, da sie für das Überleben der Menschheit unerlässlich sind. In der öffentlichen Diskussion zu diesem Thema wurde der Schwerpunkt auf die Honigbienen gelegt, wobei die Bedeutung von Wildbienen und anderen Bestäubern oft übersehen wurde.

Honigbienen erhalten die meiste öffentliche Aufmerksamkeit. Sie sind für die Landwirtschaft wichtig und zudem mit vielen Herausforderungen konfrontiert, wie dem Verlust blühender Lebensräume, der Bedrohung durch Varroamilben, Krankheitserreger und Insektizide. Trotz dieser Herausforderungen ist das ökologische Problem des Rückgangs der Bienenbestäuber jedoch nicht in erster Linie auf die Honigbienen zurückzuführen, sondern auf den Rückgang der Wildbienenpopulationen. Honigbienen, die von Imkerinnen oder Imkern gezüchtet werden, sind landwirtschaftliche Tiere, ähnlich wie Nutztiere, und keine Wildtiere, die zur Biodiversität beitragen. Eine hohe Dichte an Honigbienen kann sich aufgrund des Wettbewerbs um Blütenressourcen sogar negativ auf die Wildbienen auswirken.

Zahlreiche Faktoren haben zum Rückgang der Wildbienenpopulationen beigetragen. Der Verlust geeigneter Lebensräume ist bei Weitem der wichtigste. Die Qualität des Lebensraums einschließlich der Vielfalt und Quantität der Blüten während der Vegetationsperiode sowie die Verfügbarkeit geeigneter Nistplätze in der Nähe haben einen erheblichen Einfluss auf die Artenvielfalt und die Populationsdichte der Wildbienen. Die Schaffung und Erhaltung von Lebensräumen für Wildbienen gehört zu den besten Mitteln, um die Populationen zu fördern.

Bedeutung für Landwirtschaft und Biodiversität

Wildbienen spielen eine entscheidende Rolle in der Landwirtschaft, insbesondere im Kontext regenerativer Anbaumethoden, die auf eine natürliche und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion ausgerichtet sind. Sie ergänzen die Bestäubungsleistung der Honigbienen und tragen so zur Steigerung der Ernteerträge bei. Zudem bieten sie Landwirtinnen und Landwirten eine wichtige Absicherung, indem sie als alternative Bestäuber einspringen, wenn die Bestäubung durch Honigbienen oder andere Insekten nicht ausreicht. Darüber hinaus bestäuben Wildbienen zahlreiche Wildpflanzen auf eine Weise, die Honigbienen nicht leisten können, und tragen damit wesentlich zur Erhaltung der Biodiversität bei.

Für ein umfassendes Verständnis der Biologie der Wildbienen und ihrer potenziellen Vorteile sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich. Die Honigbienen sind diesbezüglich bereits besser untersucht worden. Ein fundierteres Verständnis der Wildbienen wird Möglichkeiten aufzeigen, diese Arten durch den Einsatz neuer Technologien im Interesse der Biodiversität und einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktion zu fördern. Verschiedene Initiativen sind in diesem Bereich bereits angelaufen und könnten große positive Auswirkungen haben.

Wildbienen finden und erkennen

Wildbienen sieht man im Sommerhalbjahr bei schönem Wetter vor allem auf Blüten von Wildpflanzen. Sie kommen in abwechslungsreichen und vernetzten Lebensräumen mit großer biologischer Vielfalt und vielen verschiedenen blühenden Pflanzenarten vor.

Das können Naturschutzgebiete, Landwirtschaftsgebiete mit Hecken, Naturwiesen oder anderen ökologischen Ausgleichsflächen sowie Naturgärten im Siedlungsbereich sein. Wildbienen findet man auch oft in Wildbienenhotels.

Hat man einen Ort mit Wildbienen gefunden, so empfiehlt es sich, für einige Minuten, eventuell auch mit einem Makrofernglas, zu beobachten, wie sie sich verhalten. Es gilt herauszufinden, welche Blüten angeflogen werden und ob die Bienen eher hektisch herumfliegen oder auf den Blüten sitzen bleiben. Manche Wildbienen besuchen Blüten nur einen Bruchteil einer Sekunde. Oft werden aber in gewissen Zeitabständen dieselben Blüten erneut angeflogen. Dann ist es am einfachsten, sich auf eine Blumengruppe mit viel Bienenaktivität zu konzentrieren und zu warten, bis eine Wildbiene erscheint. Geduld bei der Beobachtung zahlt sich meistens aus, da man so viel mehr Bienenaktivität wahrnimmt, als es auf den ersten Blick erscheint. Dadurch kann man noch besser in die Welt der Wildbienen eintauchen. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass sich viele Wildbienen in kurzer Zeit an den Beobachter gewöhnen, sodass man sich ihnen auf kurze Distanz nähern kann.

Die Vielzahl der Wildbienen und die Ähnlichkeit im Erscheinungsbild erschweren dem Anfänger nicht nur die Bestimmung der Art, sondern auch die Klärung, ob es sich überhaupt um Wildbienen handelt. Dabei kann es hilfreich sein, zu lernen, wie eine Honigbiene, eine Fliege oder eine Wespe aussieht. Diese Insekten besuchen Blüten ebenfalls intensiv und werden am ehesten mit Wildbienen verwechselt.

Fotografie der Wildbienen

Mein Ziel ist es, die Wildbienen in ihrem natürlichen Lebensraum flexibel sowie ungestört beobachten und fotografieren zu können. Deshalb verzichte ich auch bewusst, wenn möglich, auf den Einsatz von Hilfsmitteln wie Stativ, Blitz, Diffuser und anderem. Meist verwende ich eine spiegellose Vollformatkamera (Canon EOS R5) mit einem 100 mm Makroobjektiv. Als Biologe möchte ich alle Details der Wildbiene möglichst scharf abbilden. Dazu wird eine Blendeneinstellung zwischen f/11 und f/20 bevorzugt. Dass dabei auch der Hintergrund merklich schärfer dargestellt ist, nehme ich in Kauf. Im manuellen Modus wird neben der Blende auch die Verschlusszeit festgelegt. Es empfehlen sich mindestens 1/500 sec, bei hektischen und fliegenden Bienen sind oft noch kürzere Zeiten von 1/2.000 oder 1/4.000 sec erforderlich. Die Einstellung des ISO-Wertes überlasse ich der Automatik. So bin ich flexibel, um unter verschiedenen Lichtbedingungen zu fotografieren, ohne die Einstellungen verändern zu müssen. Voraussetzung ist aber genügend Licht, was bei Sonnenschein der Fall ist. Das von Fotografen bevorzugte diffuse Licht bei bewölktem Himmel ist bei der Makrofotografie von Wildbienen oft nicht ausreichend. Dann wird der ISO-Wert zu hoch, und man muss Kompromisse machen, indem man die Blende weiter öffnet oder die Verschlusszeit auf bis zu 1/200 sec verlängert.

Meistens wurde bei den Aufnahmen der Autofokus genutzt. Manchmal ist der aber selbst bei modernen Kameras zu langsam oder sonst unbrauchbar, vor allem wenn man sehr nahe an die Wildbiene herangeht. Dann entscheidet man im Voraus, wie man fokussieren will und stellt den Fokus entsprechend ein. Man geht mit der Kamera auf die Wildbienen zu und bewegt die Kamera vor und zurück, bis der ideale Fokus erreicht ist. Dabei sollte man sicher­stellen, dass die Augen der Bienen scharf erfasst sind.

Für die Wildbienen-Makrofotografie empfiehlt sich grundsätzlich die Serienaufnahmefunktion, damit man das optimal fokussierte Bild in der Eile auch nicht verpasst. Den Bildausschnitt wählt man bei der finalen Bildbearbeitung, wobei beim Fotografieren bereits darauf geachtet wird, dass möglichst wenig zugeschnitten werden muss.

Die Interaktionen zwischen Wildbienen und ihre Wechselwirkungen mit der übrigen Fauna und Flora sind faszinierend. Die Makrofotografie erlaubt es, Details zu erkennen, die dem bloßen Auge verborgen bleiben. So kann man die Schönheit der Wildbienen in ihrer natürlichen Umgebung in einer neuen Welt des Kleinen entdecken.

Dieser Artikel erschien erstmals in NaturFoto 6/2025

Dr. Claude Flueckiger
… hat an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich in Ento­mologie promoviert. Sein besonderes Interesse gilt nachhaltigen landwirtschaft­lichen Praktiken. Er berät derzeit Investoren bei der Bewertung von Unternehmen, die innovative Technologien für eine nachhaltige Landwirtschaft entwickeln. Während seiner gesamten Laufbahn in der Agrarindustrie – über mittlerweile drei Jahrzehnte – waren die Auswirkungen landwirtschaftlicher Praktiken auf Bienen ein wichtiger Aspekt. Daraus erwuchs seine Leidenschaft für die Wildbienen, die er in der Natur beobachtet und fotografiert. | www.flueckigerconsulting.com